Mittwoch, 27. März 2013

1914 und die neuen Erben

Geschichte wiederholt sich nicht. 
Gewisse menschliche Verhaltensmuster lassen sich aber durchgängig im Verlauf der Geschichte durchaus beobachten. 
Da kann man es schonmal mit der Angst kriegen...

Ein schönes Beispiel dafür boten drei ehrbare Herren bei der Talkerin Anne Will. Sie schwadronierten und dröhnten über die Nationen Südeuropas, dass es nur eine Lust hatte.

Der elder statesman von Dohnanyi erklärte wichtigtuerisch, dass die Regierungen von Spanien, Portugal, Italien, Griechenland und Zypern in den letzten Jahren die Zeichen der Zeit nicht erkannt hätten bzw ihr Volk beschwindelt hätten. Deutschland dagegen habe seit zehn Jahren alles richtig gemacht und werde deshalb ungerechterweise beschimpft. (Wie dumm müssen die Menschen in diesen Ländern gewesen sein, als sie solche unfähigen Politiker wählten. Und sind die von Dohnanyi genannten Regierungen nicht alle demokratisch gewählt worden, handelten also im Auftrag ihrer Völker? Zählt Volkswille nach Dohnanyi Meinung also nichts mehr, wenn er von dem des deutschen Volkes abweicht ? ? ? ? ?)

Der Berufseuropäer Pöttering tönte von der Weisheit von Frau Merkel und Herrn Schäuble, wurde nicht müde zu betonen, dass er beide schon öfter getroffen und gesprochen habe und reihte Floskel an Floskel von Wohlstand, Zukunft und Einigkeit. Er schloss in der düstern Drohung, dass es nur den Weg des Euro gäbe, sonst drohe Europa der Untergang im Konzert der Weltnationen.

Den Gipfel schoss der Büroleiter der ARD in Brüssel Krause ab, der nassforsch verkündete, wenn er nur den Zyprioten das alles mal richtig erklärt hätte, dann wären sie ihm vor Dankbarkeit um den Hals gefallen und hätten ihm ihre paar letzten Euros freiwillig in die Tasche gestopft. (oder: Wie dumm müssen eigentlich die Menschen auf dieser kleinen Insel sein und wie verantwortungslos ihre demokratisch gewählte Führerschaft ? ?? )Im übrigen würde er den unzufriedenen Demonstranten in diesen Ländern auch gerne mal "den Stinkefinger zeigen".

Die Warnung des luxemburgischen Premier Juncker, dass die Gefahr eines Krieges in Europa noch immer denkbar sei, wird einem nach solchen deutschem Wortgetöse verständlich.


Kaiser Wilhelm II wollte bestimmt keinen Krieg mit seinen Cousins aus England und Russland und auch der greise Kaiser in Wien war sicher kein Kriegstreiber, genauso wenig wie viele andere Hauptakteure der europäischen Politik vor 100 Jahren.

Es wurde aber auch damals gnadenlos viel schwardoniert, jeder fühlte sich im Recht und im Besitz der Weisheit. Insbesondere in Deutschland war die Überzeugung von der eigenen Überlegenheit weit verbreitet und wurde laut heraus getönt. Arroganz, Überheblichkeit und die Angst vor politschen Alternativen (z.B. Bertha von Suttner, "Die Waffen  nieder!") führten in zwei Weltkriege.

Geschichte wiederholt sich gottseidank nicht. Aber das Gerede dieser Herren im Ersten Programm kann einem schon Angst machen.

Im übrigen: Wer versucht der eurokritschen Neupartei Alternative für Deutschland  Rechtspopulismus zu unterstellen, sollte sich vorher mal kritisch mit solchen Meinungsträgern von SPD, CDU und ARD befassen.


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